Die Zeit der Stürme war vorbei. Ruhe ist eingekehrt. Sanft streicht die Dünung über den tags zuvor noch gepeitschten Sand. 

Gedankenverloren und glücklich über die zurückgekehrte Ruhe bin ich eine weite Strecke entlang des Wassers gegangen, als mein Blick an einem kleinen, nassen Federbündel hängen blieb – einem kleinen toten Vogel. Ich unterbreche meine Wanderung und betrachte ihn genauer. Sein Gefieder ist etwas zerrupft, doch der kleine Körper weist keine Verletzungen auf. In meiner Erinnerung sehe ich sie vor mir, diese kleinen Sturmvögel, wie sie in schnellem, geschickten Flug nur Zentimeter über den Wellen sich Urkräften ausliefern. Wie sie, als wäre es einziger Sinn ihres Daseins, mit dem brüllenden Wind fliegen, sich in den Elementen verwirklichen. Die Kräfte dieses Fliegers waren wohl für die Gewalten, denen er sich aussetzte, zu gering. Ich stelle mir vor, wie sein Lebenswille ihn zu ungeheueren Anstrengungen getrieben haben mag, wie sein Körper dann doch zu schwer wurde und die See ihn aufnahm. Hier am Strand hat sie ihn freigegeben, um ihn in wenigen Stunden bei Flut vielleicht für immer mitzunehmen. 

Der traurige Gedanke an die Unterlegenheit des kleinen Vogels weicht der tröstenden Erkenntnis, dass Kommen und Gehen Urimpuls des Lebens sind. Dass Entwicklung im Leben geschieht durch Entstehen, Verwirklichen und Vergehen von Ideen. Manche dieser Vorstellungen haben gleich dem Sturmvogel, nicht die Kraft, dem auf sie zukommenden Druck der Formung standzuhalten. Gib diese Ideen, bevor Du sie zerstörst, dem Leben zurück – sie werden gestärkt wiederkommen und wahr werden. Die reine Idee wird den richtigen Träger zur richtigen Zeit zu ihrer Verwirklichung finden. 

Am nächsten Tag finde ich an der Stelle, an der jener kleine Vogel lag, der mich zu diesen Gedanken führte, nur unberührten Sand.